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Schutzkapelle

Gut Bodman HÄuser, Tobias Jaklin
Projektdaten

Architekt:           Gut Bodman Häuser, Tobias Jaklin

Statik:                  Johanns Pfanner

Zimmermann:   Markus Biehler

Fotos:                  Wolfram Otlinghaus, Franz Schmideder, Tobias Jaklin

Lage:                   Waldruh Sankt Katharinen

Bauherr:             Johannes Freiherr von und zu Bodman

Die Kapelle steht wie ein einfaches Haus im Wald. Zwei unterschiedlich hohe Dächer gliedern den Baukörper. Ein offener Eingangsgiebel unter dem niedrigeren Dach wendet sich dem Besucher zu und öffnet das Haus. Hinter dem Giebel ist ein gedeckter Vorbereich. Ein Ort der beiläufigen Versammlung vor dem Betreten oder nach dem Verlassen des Hauptraumes.

Der Innenraum, mit rechteckigem Grundriss ist in der Höhe abgestuft und steigt zum Altar hin an. Während die Außenseiten des Hauses aus unbehandeltem Holz gearbeitet sind, allmählich vergrauen und sich damit immer mehr an die Naturtöne des Waldes anpassen werden, ist der Innenraum weiß gehalten. Die Wände geben die Tragstruktur des Hauses als flaches Relief wieder. Die Innenraumschale ist aus Tannenbrettern gefertigt. Diese wurden mit weiß pigmentiertem Leinöl gestrichen. Das Weiß der Wände lässt in dem Raum eine eher unerwartete Helligkeit entstehen und steht für die Symbolik des Lichtes. Das Licht ist Sinnbild der von Gott kommenden Hoffnung. Der Wald, als Wahrnehmung der Außenwelt und des Alltäglichen, soll weit gehend ausgeblendet werden. Durch die, über Kopfhöhe angeordneten, Fenster können nur Teilausschnitte verschiedener Baumstämme wahrgenommen werden. Die Fenster sollen nur Licht in den Innenraum bringen. Das Ausblenden dessen was außen ist, unterstützt das transzendente Anliegen der Öffnung für Gott.

Der Wald kann ein romantisches und harmonisches Bild erzeugen. Er ist aber auch Bild für Wildnis und Verlassenheit. Die tragende Konstruktion der Kapelle nimmt mit ihren dicht nebeneinander stehenden Eichenstützen das Bild des Waldes, mit seinen emporstrebenden Baumstämmen, auf. Die Baumstämme werden zu Stützen. Sie stehen in einer neuen Ordnung neben der Wildheit des Waldes. Das Gebäude ist bis auf Sockel und Dacheindeckung vollständig aus gewachsenem, massivem Holz, dem Material des Waldes. Traditionell steht Holz für eher minderwertige Bauten und für seine Empfindlichkeit gegen Erosion und Verfall. Hier kann das Holz ruhig auf Vergänglichkeit verweisen. Durch die Form des Baukörpers, die Tektonik der Konstruktion und die zu Grunde liegende Ordnung wird jedoch auf ein übergeordnetes Prinzip verwiesen.

Der Tod ist das Ereignis, welches die Menschen zu dieser Kapelle führt. In der Konfrontation mit dem Tod erlebt der Mensch einen Moment der existentiellen Betroffenheit, einen „heiligen Moment“, der uns offen macht für das, was größer ist als wir. Diesen Aspekt soll der Raum der Kapelle aufnehmen, indem er ihn zu einer Einladung an Gott werden lässt, uns zu begegnen. Im Angesicht des Todes wünschen wir uns Halt, Trost, Beistand und Hoffnung. All dieses kommt für den religiösen Menschen von Gott.