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Fabrikumbau

Buol & Zünd Architekten
Projektdaten
 
Architekt:    Buol & Zünd Architekten
Fotos:    Walter Mair
Lage:   Oetlingerstrasse 69, Basel
Bauherr:    Perennis AG
Ein pragmatisch erstellter Backsteinbau mit Betondecken grosser Spannweite und mächtigen Säulen, kennzeichnen einen Gewerbebau im Inneren eines Blockrandes in Kleinbasel, der zunächst als mechanische Leinen- und Baumwollweberei "Steuer & Wydler" erstellt wurde. Schmucklos und zweckgerichtet erscheint das Gebäude, einzig dort, wo das Mauerwerk durchbrochen wird, zeigt sich der kleine Wille zu einer tektonischen Aussage in Form der in die Öffnung gestellten pfeilerartigen Gewände und dem gewölbtem Stichbogensturz. Unten ein Zementputzsockel, um den aufsteigenden feinkörnigen Kalkputz gegen Feuchtigkeit zu schützen, oben ein karges Betongesims, welches das schon in der Konstruktion flach geneigte Dach an der Fassade zu formulieren vermag.

Nutzungswechsel verändern die Bauten. Im idealen Fall sind sie die Chance, Altes neu zu sehen, im schlechtesten Fall zerstören sie bestehende Werte. Die Nutzungsveränderung - von Fabrik zu Wohnraum - stellt die Frage nach Gemeinsamem und Unterschiedlichem. Dabei wäre es ein Leichtes, das Alte dialektisch in Kontrast mit dem Neuen sehen zu wollen. Diese Art der Betrachtung ignoriert die Kontinuität der Kultur oder anders gesagt die Erkenntnis, dass sich unsere Kultur nicht so verändert hat, wie unsere Gesellschaft gerne daran zu glauben bereit ist. Der Drang, anders zu sein und Veränderung zu sehen, wo keine ist, führt in die langweilige Belanglosigkeit.
Die grosszügige Nutzfläche, welche die Fabrik zur Verfügung stellt, bietet die Chance, eine Wohnform, welche den grossbürgerlichen Wohnungen aus der Gründerzeit nahe steht, in eine zeitgemässe Entsprechung zu übertragen. Darüber hinaus entspricht eben genau diese Wohnform dem Wesen der alten Fabrik, in ihrer Übereinstimmung der grossen, zusammenhängenden Flächen. Paarweise angeordnete Raumkammern, die Zimmer, werden auf die Befensterung der Fassade gerichtet. Diese Setzung der Zimmer definiert den Fluss des "Restraumes" vom Eingang bis ins Wohnzimmer und damit von dem halböffentlichen zum privaten Raum. Der zentrale Lichtinnenhof erzeugt eine Doppellesbarkeit und formt den fliessenden Raum in unterschiedliche Zonen. So bleibt einerseits das Wesen der grossen Fläche der Fabrik in der neuen Erscheinung immanent, andererseits entstehen Wohnungen mit definierten Räumen und Raumzonen..

“Die Geschichte wird in den Dingen, die uns umgeben, lebbar. Sie sind Zeugen unserer Kultur. Bauten bilden da keine Ausnahme. Sei es als Denkmal oder einfach als Objekte des Alltags. Alles Neue hat sich, will es verstanden werden, am Alten und Bewährten zu messen.” — Buol & Zünd Architekten —

Die Qualitäten des Bestandes stehen im Zentrum der Thematik. Nicht nur für die neue Nutzung oder die wirtschaftlichen Aspekte, sondern auch für die formalen Gegebenheiten. Alle Architektur, die uns umgibt, legt in irgendeiner Form Zeugnis von Vergangenem ab: sei es die originalgetreue Rekonstruktion, der neue Entwurf nach altem Muster, das Kontrastieren von historischem Bestand oder die Neuplanung über dem Abriss.

Die architektonische Sprache, der Stil dieses Umbaus akzeptiert den Altbau nicht nur substantiell als gegeben, sondern auch in seiner formalen Präsenz. Das Weiterbauen aus der Substanz heraus fordert die Aneignung der damaligen Rezeption. Gewände, welche die Fenster fassen, werden als eine in die Wand gestellte Pfeiler und Sturzkomposition verstanden. Die Loslösung dieses architektonischen Motivs und die Weiterentwicklung zu einem angebauten Balkon mit freistehenden Säulen, erzeugen eine neue Vertrautheit, die erst die Kontinuität zum Altbau herstellt. So wird Bestehendes neu gesehen, es entsteht ein Zusammenhang mit Bezug zum Bestand und darüber hinaus ist diese Disposition zugleich aufregend neu.