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Jazz Campus

Buol & Zünd Architekten
Projektdaten

Architekt:           Buol & Zünd Architekten

Fotos:                  Georg Aerni

Lage:                   Utengasse 50, Basel

Bauherr:             Stiftung Habitat, Siftung Levedo: Georg Hasler

Der Campus für Jazz in der Kleinbasler Altstadt ist ein Ort des Lernens. Der Begriff „Campus“ bezeichnet dabei im direkten Sinn das Feld und im übertragenen Sinn die Zusammensetzung einzelner Institute und des offenen Raumes zu einem Ort des Wissens und der Bildung. Was in diesen Begriffen schon mitschwingt ist eine räumliche Disposition verbunden mit einer Vorstellung von Wissensvermittlung. In idealer Weise überdecken sich die Beiden zu einer Bildungsinstitution mit einem erfassbaren räumlichen Gefüge. Damit verknüpft ist die berechtigte Hoffnung einen unverwechselbaren Ort zu schaffen, der Gemeinsames, Öffentliches ebenso wie Individuelles, Persönliches zulässt und sogar vereint. In der Übertragung dieses Bildes auf den Bauplatz in der Kleinbasler Altstadt bildet der Fussabdruck des ehemaligen Ensembles die Bebauung und der Hof wird zum Feld. Diese gegensätzliche Ausrichtung entspricht den Anforderungen des Programms nach introvertiertem Arbeiten und öffentlichem Leben. Dadurch wird der Hofraum zur Schnittstelle von Stadt und Schule aber gleichsam auch von Publikum und Musikszene.

Das vorgefundene Ensemble auf der Parzelle war gebildet aus drei Vorderhäusern und der dazugehörigen etwas niedriger gehaltenen Hofbebauung. Zusammen bildet sie den Fussabdruck – die Bebauung und die daraus gebildete Hoffigur. Bei genauerer Recherche verfestigte sich dieses Bild auch über die Jahrhunderte. Wurden auch die Gebäude oftmals ausgewechselt, der Fussabdruck hingegen hatte Bestand. Der Frage nachgehend, wie sich die vollkommen neuartige Nutzungsstruktur einer Schule an diesem Ort verfestigen könnte, bot die Übernahme des Fussabdrucks als formgebende innere Struktur an, um den Ort und damit die Stadt in das Kontinuum der Zeit einzubinden.

“Die feine Linie zwischen Nachahmung und Authentischem zu suchen und sie als glaubwürdige Konstante entwurflich zu verfestigen, erzeugt erst die Wirkung von Harmonie und Zusammenhalt im Gefüge der Stadt und vermittelt so dem Betrachter Neues und Bestehendes. ” — Buol & Zünd Architekten —

Der organisatorische Aufbau des Hauses trägt die Idee des Campus weiter, indem drei unabhängige Treppenhäuser die Räume baumartig erschliessen und nicht über Gänge sondern über den Hof oder die darunterliegende Halle verbunden werden. Somit wird dem Hof aber auch der Halle, als einen unausweichlichen Teil des öffentlichen Lebens an der Schule, eine hohe Bedeutung zugemessen; der Gang vom einen in das andere Treppenhaus erfolgt immer über den Hof oder die Halle. Diese, für ein konventionelles Bildungsgebäude etwas unorthodox anmutende Struktur leistet einen markant spürbaren Beitrag für das Zusammenspiel von Öffentlichkeit und Musikschule, in welcher dem Hof eine zentrale Rolle zugewiesen wird, und ermöglicht viele individuelle Wege durch den Campus. Gleichzeitig entstehen aufgrund dieser Anordnung dem Arbeiten zugewandte, unterschiedlich grosse Übungszimmer. Neben der Vielzahl von diesen, dem individuellen Üben gewidmeten Zimmern bilden drei performative Räume die Möglichkeit in grösseren Ensembles zu Spielen. Der dritte grosse Raum, der Jazzclub im einen der Vorderhäuser, bildet die Schnittstelle der Schule zur Öffentlichkeit und damit auch zur Stadt.

Als atmosphärischer Leitgedanken gilt die Schaffung von Wohnlichkeit für die Arbeitsräume, die den Musikern ein unvergleichliches Umfeld für ihre Arbeit eröffnen soll. Ein anspruchsvolles akustisches Konzept ist den Räumen hinterlegt, welches vorsieht, dass rund drei Viertel der Oberflächen akustisch aktiviert sein müssen. Anstatt multifunktionale Räume mit verstellbarer Akustik wird ein vielfältiges Sortiment von unterschiedlich klingenden Räumen angeboten, um den Musikern die Möglichkeit zu eröffnen den geeigneten Raum finden und lieben zu lernen. Einfache und herkömmliche Gestaltungsprinzipen der vielzähligen Ensemble- und Übungsräume versuchen den Benutzern, trotz der hochgradig technisch ausgerüsteten Räume, eine gewisse Wohnlichkeit zu vermitteln. Die tafelartigen Bekleidungen der Wand fassen nicht nur die Türen und die Fenster, sondern sie geben dem Raum Massstab und ablesbare Dimensionen. Die Möglichkeit einer Gleichzeitigkeit der technischen Bedürfnisse und der wohnlichen Atmosphäre wird getragen von einer eleganten und handwerklich verarbeiteten Materialisierung. Demgegenüber stehen die drei Hotspots, welche sich durch eine individuelle Gestaltung auszeichnen, die sich auf ihren unterschiedlichen akustischen Eigenheiten abstützt. Der hölzern gehaltene kammermusikartige Aufnahmeraum mit seiner flirrenden Blätterdecke, der in schwärzlichen Tönen gehaltene und deshalb stimmungsneutralere Performanceraum oder der stimmungsvolle in dunklen, blauen und violetten Tönen getauchte Jazzclub, der die Öffentlichkeit zu einem gelungen Musikerlebnis einlädt.

Die Transformation des ehemaligen Hofraums zu einem städtischen Raum des Campus wird über die motivische Setzung von in den Hofraum kragenden Erkern bewerkstelligt. Die Erker, als ein üblicherweise dem Strassenraum zugewandtes Motiv, vermittelt zwischen den introvertierten Arbeitsräumen und dem Hof als öffentlichen Raum. Im Innern wird das Öffentliche in den Erschliessungen durch die steinerne Materialwahl weitergetragen, was den Hof direkt mit dem Haus zu verbinden vermag. Die Materialisierung in vorgeschlämmten Backsteinen, handwerklich vermauert und den vor Ort betonierten Erkern zusammen mit den in Aluminium gehaltenen Fenstern unterstützt die doppeldeutige Anmutung des Hofes als städtischer Raum und auch als Hinterhof des Ensembles und berichtet so auf subtile Weise von der vormaligen industriellen Nutzung des Hofes.